Steve Gibbons ist ein Urgestein der internationalen Rockszene. Seit den Sechzigern tritt er weltweit auf. Er hat mit vielen Größen der Rockmusik zusammengearbeitet. Besonders intensiv sind die Verbindungen zu “The Who” und zu Fairport Convention. Auch trat er 1986 zusammen mit George Harrison beim Birmingham Heart Beat Charity Konzert auf. 1982 tourte er als eine der ersten westlichen Rockbands durch die DDR. Mit Songs wie “Tulane” oder “Eddy Vortex” konnte er sich in den 70-ern in verschiedenen Hitparaden im Mittelfeld platzieren. Der ganz große Durchbruch blieb ihm aber, trotz von vielen Seiten bestätigter Qualitäten sowohl als Songwriter wie als Performer, verwehrt. Steve Gibbons gab Stefan Pürner (Autor der Bücher “Geklont” und “Sgt. Pepper Live”, die Kurzgeschichten mit Musikbezug enthalten) exklusiv für Germanbeat ein Interview, in dem dieser ausgiebig insbesondere über das Rockfestival 1979 auf dem Nürnberger Zeppelinfeld berichtete.
Von Stefan Pürner
Stefan Pürner sprach mit Steve Gibbons im Backstage-Bereich der “(Sub)kulturmanufaktur Kofferfabrik”. Dort nahm der Brite 2009 auch eine Live-DVD auf. Steve Gibbons zeigte sich als charmanter und gewitzter Gesprächspartner, der auch dann, wenn er im Sessel sitzt, seine Erzählung mit denselben weit ausladenden Gesten unterstreicht, wie er das auch auf der Bühne tut. Auch nach 32 Jahren erinnert er sich aus dem Stand an das exakte Datum seines wohl größten Konzertes (das er in Nürnberg, also in der Stadt, in der auch das Interview stattfand, gab) und zeigt stolz dem Schlagzeuger Howard Smith seiner aktuellen Band, die Bilder von diesem Auftritt vor mehr als drei Jahrzehnten.
Stefan Pürner: Bob Dylan ist eines Ihrer Idole. Wie würden Sie seine Bedeutung für die heutige Musik beschreiben?
Steve Gibbons: Dylan ist in Sachen Musik die bedeutenste derzeit lebende Person. Aufgrund seines umfassenden Repertoires von ganz unterschiedlichen Songs hat er die Messlatte für alle, die heute Songs schreiben, gesetzt. Dylan war natürlich nicht der erste. Sein größter Einfluss war Woodie Guthrie. Guthrie aber hat nur einen beschränkten Kreis von Leuten, vor allem aus dem Umfeld der Arbeiterbewegung erreicht. Dylan dagegen hat das in die großen Arenen getragen. Auch seine sozialkritischen Songs in seiner Anfangsphase waren sehr mutig.
Stefan Pürner: Außer mit Ihrer eigenen Band touren Sie von Zeit zu Zeit ja mit “The Dylan-Project”, bei dem Sie eigene Interpretationen von Dylan-Songs spielen. Wann können deutsche Zuhörer Sie wieder live mit diesem Projekt hören?
Steve Gibbons: Mit “The Dylan Project” haben wir zwei CDs gemacht, eine 1998, eine andere 2006 und waren mehrmals auf kurzen Tourneen in Deutschland. Wann wir das nächste Mal kommen, weiß ich nicht. Zu “The Dylan Project” gehören der Keyboarder Phil Bond, der Gitarrist PJ. Wright und zwei Mitglieder von Fairport Convention, Dave Pegg und Gerrry Cornway. Deshalb ist es wegen der anderen Verpflichtungen aller Beteiligten nicht so einfach, Termine zu finden. Aber vielleicht ist es ganz gut, dass wir nicht so oft mit “The Dylan Project” unterwegs sind. Andernfalls würden wir vielleicht als bloße Tribute Band wahrgenommen.
Stefan Pürner (zeigt Steve Gibbons die Ausgabe 17/1979 der Zeitschrift “Musik Joker”, die ausführlich über das große Festival auf dem Nürnberger Zeppelinfeld, dessen Headliner “The Who” und auf dem auch Steve Gibbons auftrat): Erinnern Sie sich noch daran?
Steve Gibbons: Oh, das ist phantastisch. Ich habe diese Bilder noch nie gesehen. Kann ich da Kopien davon haben? Es ist toll, solche Bilder von früher zu sehen. In Finnland erschien in einer Musikzeitschrift ein zweiteiliger Bericht über meine Karriere unter dem Titel “Riding and driving” Der hatte auch viele Bilder aus den Sechzigern, die ich vorher noch nie gesehen hatte.
Stefan Pürner: Sie sind im Nürnberger Raum unter anderem bekannt wegen dieses Konzerts bei dem Sie auf dem Nürnberger Zeppelinfeld vor 65.000 Zuhörern im Vorprogramm von “The Who” auftraten. Erinnern Sie sich noch an diesen Auftritt?
Steve Gibbons: Natürlich! Daran habe ich viele Erinnerungen. Schon alleine wegen des Auftrittsortes. Das Zeppelinfeld kannte ich als Ort der Massenaufmärsche der Reichsparteitage von schwarz-weiß Filmen und von Filmen von Leni Riefenstahl. Und dann findet dort ein Rockfestival statt. Alleine das ist schon bemerkenswert. Außerdem war es wegen der anderen Musiker eine große Sache an einem Konzert wie diesem beteiligt gewesen zu sein. Außer “The Who” waren da ja noch Musiker und Gruppen wie AC/DC, Scorpions, Cheap Trick – die fand ich besonders gut – oder Miriam Makeba.
Es war, das weiß ich noch, der erste September und es war herrliches Spätsommerwetter.
“The Who” hatten eine Lasershow. Sie waren Pioniere, was das anging. Das Problem war nur, dass diese ganzen Apparaturen, die man brauchte, um die Lasershow umzusetzen, hinter der Bühne aufgebaut waren. Da musste man höllisch aufpassen, dass man nicht drüber stolperte. Außerdem war das ganze wohl nicht ungefährlich, weil man nicht in den Laserstrahl kommen durfte. Heute ist das alles anders. Aber damals war das ja die Anfangszeit dieser Technik.
Beeindruckend war auch das Schlagzeug der Scorpions. Das war zum einen riesig. Zum anderen stand es auf einer hydraulischen Hebebühne, so dass es beim Solo des Drummers in die Höhe gehoben werden konnte.
Stefan Pürner: Bei dem Konzert gab es eine Gruppe, die sich musikalisch sehr von den anderen unterschied.
Steve Gibbons: Ja, richtig. Das war Miriam Makeba. Sie trat direkt vor “The Who” auf. Ich fand das eine tolle Idee, da ich nigerianische Freunde hatte und über diese damals sehr viel afrikanische Musik hörte. Außerdem war es gut, nach einem Tag voller Rockmusik, bevor “The Who” kamen, diese andere Musik zu hören.
Einigen im Publikum passte das jedoch überhaupt nicht. Sie warteten auf “The Who” und wollten Sachen wie “My Generation” hören, keine afrikanische Musik. Sie bewarfen Mirima Makeba dann anfangs aus der ersten Reihe mit Plastikflaschen und solchen Sachen. Was auch deshalb schlimm war, da in Makebas Band auch Kinder mitsangen.
Miriam Makeba sprach dann beschwichtigend auf das Publikum ein. Außerdem tat ihre Musik ein Übriges. Und am Ende bekam Miriam Makeba gewaltigen Applaus. Wirklich eine gute – und mutige – Idee, Miriam Makeba direkt vor “The Who” spielen zu lassen.
Stefan Pürner: Und wie verlief ihr eigener Auftritt?
Steve Gibbons: Für uns war das auch ein schwieriger Auftritt, weil wir das Festival eröffneten. Wir spielten gleich am Morgen (Anmerkung: Hier irrt Steve Gibbons. Ausweislich des Berichts im “Musik Joker” und der Erinnerung von Stefan Pürner, der damals das Festival besucht hatte, wurde das Festival von Molly Hatchet eröffnet. Nach diesen spielte Nils Lofgren und erst dann kam Steve Gibbons. Richtig ist jedoch, dass zum Zeitpunkt des Auftritts viele Zuhörer erst ankamen.)
Außerdem hatte ich kurz vorher beschlossen, das line up zu ändern. Wir hatten zwei Backgroundsängerinnen, zwei Saxophon isten und zwei Gitarristen. Ich hielt es für besser, mit einer solchen verstärkten Besetzung aufzutreten um dem Ganzen bei so vielen Zuhörern mehr Substanz zu geben. Wir spielten deshalb bei diesem Konzert das erste Mal live in dieser Besetzung.
Stefan Pürner: Roger Daltey hat Songs von Ihnen aufgenommen. Eines seiner Soloalben (“One of the Boys”) heißt sogar nach einem Ihrer Songs. Gab es sonst noch Zusammenarbeit mit “The Who”?
Steve Gibbons: Ja, beispielsweise spielte ich bei einem von Pete Townsend veranstalteten Benefizkonzert mit. Und dann haben wir, vor dem Konzert in Nürnberg, auf einer Tour durch mehrere europäische Staaten und durch die USA als Opener für “The Who” gespielt.
Stefan Pürner: Und wie verliefen diese Konzerte? Es ist schließlich nicht einfach, vor einer solchen Supergruppe aufzutreten.
Steve Gibbons: Für uns lief es eigentlich fast immer sehr gut. Zwei Zugaben spielen zu müssen sind schon etwas, wenn man die Vorgruppe ist und der Hauptact “The Who” heißt. Nur in Paris lief es nicht so gut. Wir spielten dort zwei Abende in einer Markthalle, die man für diese Konzerte als Konzerthalle umgebaut hatte. Zu unserer Bühnenshow gehörte ein Union Jack. Ich weiß nicht, ob es daran lang. Jedenfalls wurden wir aus dem Publikum mit allerlei Dingen beworfen. “Das kann ja heiter werden, wenn wir erst in USA sind”, dachte ich. Als wir dann aber dort spielten, war alles o.k. Wir kamen sogar sehr gut bei dem amerikanischen Publikum an.
Stefan Pürner: Die sechziger Jahre spielen ja in Ihrer Musik eine besondere Rolle.
Steve Gibbons: Ja, das stimmt. Und ich denke, die Bedeutung der Sechziger und ihre Auswirkungen kann man heute auch noch überall feststellen. Bands wie die “Beatles” und die “Kinks” aus den Sechzigern sind heute noch anerkannt. Persönlich stelle ich fest, dass in den Sechzigern die Musik und die Musikindustrie viel unschuldiger waren als sie es heute sind. Überhaupt hat sich das Verhältnis zur Musik geändert. Heute hört man immer und überall Musik, beispielsweise als Hintergundbeschallung. Und häufig ist es auch noch unpassende Musik. Sehr technische und mechanische Musik. Ich habe ja nichts grundsätzliches gegen Hintergundmusik. Es wäre ok, wenn es zB Nat King Cole wäre. Neulich war ich hier in Deutschland in einer Buchhandlung. Da hatten sie einen Pianisten. Der hat im Hintergrund gespielt, während die Kunden in Büchern geschmöcktert haben. Da passt solche Hintergrundmusik. Überhaupt ist Literatur und Muisk eine tolle Verbindung.
Stefan Pürner: Sie erwähnten eben Deutschland: Sie scheinen überhaupt eine besondere Beziehung zu Deutschland zu haben. Sie treten regelmäßig hier auf und nahmen Ihre Live-DVD an zwei Abenden hier im fränkischen Fürth auf. Wie ist ihr Verhältnis zu Deutschland?
Steve Gibbons: Es gefällt uns sehr gut. Zum einen haben wir immer Glück mit dem Wetter hier. Zum anderen gibt es hier noch so kleine Clubs wie die Kofferfabrik, in der wir heute Abend spielen werden. Solche Clubs werden zu Hause im Vereinigten Königreich immer weniger. Was eine Schande ist. Schließlich sind es ja Clubs wie diese, die den Nährboden für neue Musik und neue Bands bieten. Auch mag ich Konzerte vor einem Publikum von allenfalls zwei- bis dreihundert Zuhörern besonders. Anders als in großen Hallen hat man deutlich mehr Kontakt zum Publikum. Und man kann beispielsweise in leisen Passagen das Publikum zum Schweigen bringen und flüstern. Eine solche Intensität und Dynamik ist in großen Hallen nicht möglich. Es müsste fantastisch sein, die “Stones” oder die “Kinks” in einem solchen kleinen Club zu erleben. Dylan soll ja ab und zu Konzerte in solchen kleinen Clubs geben.
Stefan Pürner: Sie haben 2009 mit der DVD “Steve Gibbons Band: Live at the Kofferfabrik” den Mitschnitt zweier Konzerte mit zahlreichem Bonusmaterial vorgelegt und sind häufig auf Tour. Welche weiteren Pläne gibt es ?
Steve Gibbons: Ich arbeite gerade an einer Retrospektive meiner gesamten Karriere. Hier sind vier CDs in Vorbereitung mit Songs, die bis in die 60-er zu meiner Zeit mit den “Uglies” zurückreichen. Wir arbeiten gerade am Artwork. Das Projekt ist also schon sehr weit fortgeschritten.Wenn alles gut läuft, dann wird die Sammlung noch im Dezember erscheinen.
Stefan Pürner: Steve Gibbons, wir danken für das Gespräch.
A Band of 70s: Steve Gibbons in der Kofferfabrik (24.10.2011)
Die Kofferfabrik in der fränkischen Stadt Fürth, offiziell “(Sub)Kulturmanufaktur Kofferfabrik” benannt, bringt freilich auch zeitgemäße Kunst und Kultur. Dennoch ist sie eine Art Zeitkapsel, in der vieles aus den sechziger, siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts überlebt hat. Das fängt an bei den Zeitungsartikeln, die an der Wand des WC geklebt sind und die Aufkleber und Grafittis dort und setzt sich über die Konzertplakate an der Wand fort. Diese verheißen zum Beispiel – innerhalb von nur einer Woche ! – ein “Rory Gallagher Weekend”, bei dem vier Tribute Band spielen werden, ein Konzert von Chris Jagger (dem Bruder von Mick) und – gleich an zwei Abenden – die “Steve Gibbons Band”. Diese ist hier so gut wie zu Hause. Schließlich hat sie hier schon Konzertmitschnitte aufgenommen und neue Realeses vorgestellt. Außerdem sitzt die deutsche Managerin der Band, die unermüdliche Gabriele Huke, unweit im Städtchen Wendelstein.
Die Band, die da auf die Bühne tritt, besteht – anders als viele andere Formationen um einen Rockveteranen – nicht aus ein, allenfalls zwei älteren Musikern und “dazu gemieteten”, wesentlich jüngeren Musikern. Alle auf der Bühne sind “his generation”: Was bei einem geschätzten Durchschnittsalter von 70 bei fünf Musikern satte 350 Lebensjahre macht, die da zusammen musizieren. Skepsis macht sich dennoch nicht breit im Publikum, Wohl, weil die meisten die heute hier sind, diese Truppe schon gehört haben und deshalb wissen, dass es sich dabei um Altmeister und nicht um alte Herren handelt. Trotzdem könnte die Band aus einem dieser britischen low budget-Filme stammen und eine Gruppe von biederen Angestellten in Rente darstellen, die dank ihres verwegenen Jugendfreundes, dem ehemaligen Installateur Steve, dem Altenheim entkommen sind, um als Rentnerband noch einmal so richtig auf den Putz zu hauen. Die Band hat sichtlich Freude am Spiel, scheint aber auch den Schalk im Nacken zu haben. Als beispielsweise Gibbons in einem Lied singt, “I don`t need no pill” scheinen sich zwei seiner Begleitmusiker hinter dem Rücken des Bandleaders mit einem spontanen Grinsen zu zu blinzeln.
Die ganz harten Knaller aus dem Reportoire von Steve Gibbons bleiben heute außen vor. Es gibt vor allem Midtemposachen, einige davon aus der eigenen Feder des Bandleaders und etliche Coverversionen. Beides wird mit reichlich jazzigen Zwischentönen dargebracht. Wobei Coverversionen hier kein bloßes Nachspielen sind, sondern eigenständige Interpretationen mit neuen Ansätzen und Verweise auf musikalische Wurzeln.Zu hören sind u.a. “Matchbox” (erheblich ruhiger als bei Carl Perkins odeer den Beatles), “That`s allright” (softer als bei bei Elvis) und immer wieder Bob Dylan. Letzteres eventuell, weil Gibbons fälschlicherweise annimmt, dieser würde am darauf folgenden Abend in Nürnberg spielen. Tatsächlich ist dieses Konzert jedoch erst im November. : “You are a big girl” und eine bissige Version von “To be alone with you”, die erheblich mehr Biss hat als das Original, sind ebenso zu hören wie der “Subterrenan Homesick Blues”, der hier aus der Hüfte gespielt und mit Verve interpretiert (gesungen wäre ein zu geringes Wort dafür) wird. Wie bei vielen der anderen Songs baut Gibbons hier eine ganze Kakophonie von Textstücken und Musikfetzen aus anderen Songs ein. Durch diese “Songs im Song” entsteht ein Kaleidoskop in dem sich Melodie und Licks aus vielen Songs aus den Fünfziger und Sechzigern brechen. Fast meint man, Gibbons als Rockenzyklopedie auf zwei Beinen ruft dieser Puzzlestücke spontan und improvisiert ab. Zitate und Verweise pflastern seine Konzerte. Wie bei Mish-Mash-Songs fragt man sich mitunter am Ende eines Songs, wie viele Zitate aus anderen Songs man eben gehört hat.
Ebenso bunt sind die musikalischen Stile, die anklingen. Da ist – die Beatles lassen grüßen – perfekter mehrstimmiger Gesang, dann wieder shuffelt es, mal wird gerockerbillied, dann wieder gegroved, der Bass pluppert, über das Schlagzeug tänzelt der Besen. Dann wieder plaudert (rappt) Gibbons über Intros und Instrumentalparts. Intim wird es, als Geige und Akkordeon von den entgegengesetzten Bühnenrändern sich Melodien und licks zuwerfen.
Mit “Hey Buddy”, einer Hymne an den gemeinsamen Fixstern der Beatles, von Bob Dylan und von ihm selbst beschließt er das Konzert. Standing ovations für jemanden, der heute nur wenig aus seinem eigenen Repertoire gespielt hat, folgen. Auch das muss man können. Auch die Zugabe ist keine Eigenkomposition, sondern “Save the last dance for me”, eine Nummer, die auch die Beatles im Hamburger Starclub ungezählte Male gespielt haben.
Steve Gibbons sieht an diesem Abend sich offensichtlich eher als Reiseführer in die Musik seiner Zeit als in sein eigens musikalisches Schaffen. Das ist tantiementechnisch sicher ungeschickt, da er wohl dann, wenn er die Lieder anderer spielt, anders als bei seinen eigenen, GEMA abführen muss. Auch bringt es die Gefahr mit sich, dass der eine oder andere Zuhörer, der auf einem Konzert von Steve Gibbons Songs wie “Tulane”, “No spittin on the bus” oder “Down in the Bunker” erwartet, enttäuscht nach Hause geht. Gibbons nimmt – auch darin seinem Idol Dylan nicht unähnlich – jedoch wenig Rücksicht auf die Erwartungshaltung der Zuhörer. Und das anwesende Publikum nimmt ihm das nicht übel. Und wird dafür, ebenso wie bei Dylan, mit dem Mehrwert belohnt, den ein Konzert mit Überraschungen und Überraschendem gegenüber dem bloßen Nachspielen von Greatest Hits in unveränderter Version besitzt.
Personalie: Stefan Pürner
Der Autor Stefan Pürner beschäftigt sich seit seiner Jugend mit den Beatles und Rockmusik im Allgemeinen. Fast genauso lange schreibt er darüber. Unter anderem hat er bereits 1988 im “Zündfunk” des Bayerischen Rundfunks die jugoslawische Rockszene, darunter Bands und Interpreten wie Goran Bregovic und das heutige No Smoking Orchestra vorgestellt. Im “normalen Leben” ist Pürner Rechtsanwalt und Mitarbeiter der Deutschen Stiftung für internationale rechtliche Zusammenarbeit (IRZ-Stiftung) in Bonn.
Die Besucher unser German BEAT!-Seite kennen Stefan zum anderen als Verfasser des bei uns exklusiv veröffentlichten Beitrags über die Beatmusik in Titos Jugoslawien oder das Rubber-Soul-Projekt. Dieser Artikel (sorry, für das momentane Layout-Chaos, da kümmern wir uns noch drum) , der gleichzeitig der wohl umfassenste Beitrag zu diesem Thema in deutscher Sprache, hat auch in den verschiedenen Gebieten des früheren Jugoslawiens ein positives Echo gefunden. Pürner ist Autor der Bücher “Geklont” und “Sgt. Pepper Live”, die Kurzgeschichten mit Musikbezug enthalten.
Bildnachweis: (C) Stefan Pürner, 2011. Von oben nach unten: 1) Steve Gibbons: Freude pur. 2) Steve Gibbons und Drummer Howard Smith lesen den Bericht im “Musik Joker” über das Konzert von Steve Gibbons vor 65.000 Menschen auf dem Zeppelinfeld 1979. 3) Sooo groß war das Schlagzeug der Scorpions. 4) Steve Gibbons singt (Konzertfoto). 5) Steve Gibbons und Teile seiner Band in der Kofferfabrik (Konzertfoto). 6) Steve Gibbons während des Konzerts in der Kofferfabrik (Konzertfoto).