“Ladies and Gentlemen, dieses Album stammt aus einer Zeit, als die Welt noch anders aussah. Es ist ein Teil meiner Geschichte – entstanden in den Hügeln Schottlands – und es heißt ‘Ram’. Es erinnert mich an meine Hippie-Zeit und das Gefühl der Freiheit, durch das es geprägt wurde. Ich hoffe, es gefällt Ihnen, denn mir gefällt es sehr,” so Paul McCartney jüngst in einem Statement zu der Wiederveröffentlichung seiner 1971 erschienen zweiten Soloplatte. “Es ist als eines von McCartneys beliebtesten Alben in die Musikgeschichte eingegangen”, betont McCartney Plattenfirma Universal. Klanglich überzeugt das neue Remaster auf ganzer Linie!
Nach dem Erfolg der Reissues von “McCartney”, “McCartney II” und dem Grammy für das “Beste historische Album” für “Band on the Run” erscheint nun mit “Ram” (VÖ: 18.05.) ein weiteres Album aus Paul McCartneys Back-Katalog. Wie schon bei den Vorgängern hat Paul auch hier jeden einzelnen Schritt der Entwicklung persönlich überwacht und das Ergebnis ist spektakulär, so verspricht die Presseinfo seiner Plattenfirma.
“Ram” wird erhältlich sein als Standard Edition (1 CD Digipak), Special Edition (2 CD Digipak), Deluxe Edition Box-Set (4 CD/1 DVD Box-Set und Download), Vinyl (2 LP, 180g, Gatefold-Vinyl mit Download), Limited Edition Mono-Vinyl (1 LP) und Digital (RAM in unterschiedlichen Versionen als Download). Das Deluxe Edition Box-Set ist hier “das ultimative Sammlerstück für jeden Fan”. In diesem Fall ist diese Aussage der Plattenfirma durchaus gerechtfertigt; denn neben einem “hochwertigen, 112-seitigen Buch, Fotos, Faksimiles handgeschriebener Texte und Notizen” enthält das Set vier CDs (Stereo-Album, Bonus-CD, Mono-Album sowie das Thrillington-Album) und eine Bonus-DVD.
Übrigens: “RAM wird digital in einer Reihe unterschiedlicher Formate erhältlich sein, u. A. iTunes und High Resolution. Auf paulmccartney.com und iTunes wird es zwei nur als Download erhältliche Bonustracks geben: 1. Eat At Home/Smile Away (Live in Groningen, 1972), 2. Uncle Albert Jam”, heißt es in der deutschen Pressemitteilung.
Nicht unbedingt den Bock zum Gärtner gemacht
“Ram” erschien ursprünglich im Mai 1971. Es ist Pauls zweites eigenes Album nach den Beatles und das einzige, das Paul und Linda McCartney zugeschrieben wird. Das Album wurde damals von den Nachwehen des weltweiten Medienrummel um die Beatlesauflösung überschattet. Es landete in Großbritannien auf # 1 und in den USA auf # 2 der Charts. “Bei seiner Veröffentlichung spaltete das Album die Kritiker, aber mittlerweile haben es Fans und Kritiker gleichermaßen schätzen gelernt”, heißt es weiter in der Pressemitteilung. “Der Rolling Stone z. B. hat seine ursprüngliche Bewertung auf vier Sterne nach oben korrigiert. In der jüngeren Vergangenheit wurde RAM vielfach neu beurteilt und fand endlich Anerkennung. Es sind sogar mehrere Tribute-Alben erschienen.”
Das renommierte Onlinemagazin Allmusicguide (AMG) schreibt über “Ram”, es sei eine Art Melange aus gerade Weggeworfenem und Songs, die unaufhörlich gute Laune verbreiten. Das Album “dreht den monumentalen symphonischen Schwung der Abbey Road frech und launisch auf die Zwei-Komponenten-Suite ‘Uncle Albert / Admiral Halsey’ runter. All dies machte ‘Ram’ zum Objekt von Hohn und Spott und das über Jahre hinaus. Aber im Nachhinein spricht einiges dafür, dass wir es hier mit dem ersten Indie-Pop-Album zu tun haben.” Aber McCartney ist es gelungen, seinem Image als Weichspüler immer wieder ein Schnippchen zu schlagen, so mit dem pseudo-apokalyptischen “Monkberry Moon Delight”, dem freudig lauten “Smile Away”, “wo seine Füße auch eine Meile entfernt noch riechen” und “Eat at Home”, einem ausgelassenen und augenzwinkerndem Song über Sex. Übrigens kein anderesMcCartney-Werk als “Ram” hat fünf von fünf Sternen bei AMG bekommen.
Die Redaktion heute schon mal das Vergnügen, in die “Special 2 CD Edition” von RAM reinzuhören. “Klangtechnisch absolut überzeugend. Zwar etwas lauter aber auch wesentlich prägnanter und schärfer als die 1993er remasterte Version aus der ‘The Paul McCartney Collection’ (Die Ausgabe mit dem weißen Rand auf dem Booklet!)”, schrieb Germanbeat-Herausgeber Sven auf den Erdbeerfeldern. “Die Bonus-CD hat meines Erachtens beinahe schon einen eigenen Albumcharakter.”
Das Remastering fand in den Abbey Road Studios statt; mit demselben Team, das auch den gesamten Beatles-Katalog “restauriert” hat.
Umfassend bepackt: Die Deluxe-Ausgabe von “Ram”
Wir sind gespannt auf die Deluxe-Ausgabe. Denn die verspricht “ein echter Bringer zu werden – nahezu ein Muss für Fans”. Denn, so Universal, “bei seiner ersten Veröffentlichung gab es ‘Ram’ auch als Mono-Version mit alternativen Mixen, die damals nur Radiosendern zur Verfügung gestellt wurden. Mittlerweile ist diese Version eines der meistgesuchten Sammlerstücke von Paul McCartney. Jetzt wird sie zum ersten Mal auch kommerziell erhältlich sein.”
“1977 erschien Thrillington, eine instrumentale Version von RAM. Entstanden war sie 1971 in den Abbey Road Studios in London, arrangiert von Richard Hewson. Sie wurde ursprünglich unter dem Pseudonym Percy ‘Thrills’ Thrillington veröffentlicht – ein unbekannter, exzentrischer Prominenter, der immer wieder in mysteriösen Kleinanzeigen auftauchte. In Wahrheit war der Charakter Percy von Paul und Linda erschaffen worden. Es ging ihnen in erster Linie um den Spaß und Paul hatte schon lange mal ein Orchesteralbum aufnehmen wollen.” Auf der Fachseite Ex-Beatles.de heißt es: “Insgesamt klingt diese Neuinterpretation des komplexen ‘Ram’-Albums heute recht angestaubt und altbacken … Instrumentierung und Produktion sind hervorragend, doch möglicherweise hätte es dem Projekt besser zu Gesicht gestanden, auf Chor und Popband zu verzichten und die Arrangements konsequenter im traditionellen Stil … zu schreiben.”
“Das zusätzliche Filmmaterial besteht aus bisher unveröffentlichten und exklusiven Bildern, wie z. B. der brandneuen Doku ‘Ramming’, gesprochen von Paul, und den Originalvideos zu ‘Heart Of The Country’ und ’3 Legs’.”
Das englisch-sprachige Wikipedia berichtet mit Hinblick auf die Bonus-CD, dass die Songs “A Love for You” (Jon Kelly Mix), “Hey Diddle” (Dixon Van Winkle Mix), “Great Cock and Seagull Race” (Dixon Van Winkle Mix), “Rode All Night” und “Sunshine Sometime” (Earliest Mix) zuvor noch nie veröffentlicht wurden. Hingegen schrieb Ansgar Bellersen von den Erdbeerfeldern, dass zumindest “A Love For You” auf dem Soundtrack zum Film “The In-Laws” erschienen ist (siehe auch hier).
Die Intesität des Diskurses macht die Klasse der (Ex-) Beatles aus
Lennon und McCartney waren ja berühmt wegen ihres einzigartigen Diskurses, den sie um jeden ihrer Songs führten. Mittlerweile waren sie halt nur nicht mehr DIE Beatles sondern Ex-Beatles. Und so begannen beide ehemaligen Protagonisten ihre Schlacht in einem Art Fernduell auszutragen. “Wenn sie sich Dinge schon nicht persönlich sagen konnten und wollten, so ließen sie ihre Songs sprechen. Lennon wertete ‘Too Many People’ als einen Angriff auf sich und Yoko. Der Song ließ die Interpretation zu, dass McCartney hier seiner Enttäuschung Luft macht, dass es sein ehemaliger enger Freund und vorzog, sich dem künstlerischen Underground (Yoko) zuzuwenden anstatt die gemeinsame musikalische Partnerschaft fortzusetzen. Das sei scheinbar der erste Fehler gewesen, der die Harmonie innerhalb der Beatles zerbrach. Lennon wiederum antwortete mit einer süffisanten Parodie des ‘Ram’-Albumcovers (er legte seiner “Imagine”-LP eine Postkarte bei, auf der zu sehen ist, wie John ein Schwein an den Ohren packt) und einer Hasstirade gegen McCartney in Form des Songs ‘How Do You Sleep?’”, wie Ansgar Bellersen in seiner formidablen Rezension zum “RAM” vermerkt. Der norwegische Beatles-Fan Roger Stormo weiß auch einiges über den Bock/Eber-Disput zu berichten.
Unser Tipp!
Der für einige der Ram-Stücke typische Harmoniegesang, die Varianz der Stücke offenbart ein stückweit eine dem damaligen zeitgeist entsprechende Adapation “seiner Beatles”. Eine Art Melange aus “Magical Mystery Tour”, dem Weißen Album und Abbey Road. Und doch wurde das Album “nur” von von Paul und Linda geschrieben; hauptsächlich auf ihrer Farm auf der Landspitze von Kintyre in Schottland. Im Herbst 1970 flogen sie nach New York und LA, um es aufzunehmen. Mit von der Partie waren der spätere Wings-Drummer Denny Seiwell sowie die Gitarristen David Spinozza und Hugh McCracken.
Unsere Anspieltipps aus der Special Edition sind: “Monkberry Moon Delight”, “Long Haired Lady” (kraftvolle Gitarren!), “Oh Woman, Oh Why”, “Rode All Night”.
Bild-/Videonachweis: RAM-Cover sowie RAM Deluxe Package, (C) Universal Music, 2012.

“Viele Musiker werden regelmäßig nach den Songs gefragt, die sie beeinflusst haben,” schreibt Universal. “Paul McCartney bekam selten Gelegenheit, über dieses Thema zu sprechen. Mit der bevorstehenden Veröffentlichung des neuen Albums ‘Kisses On The Bottom’ am 3. Februar 2012 bietet er uns jetzt einen kleinen Blick auf die ‘Songs hinter den Songs’ – die Klassiker, mit denen er in seiner Kindheit aufwuchs. Zwei brandneue eigene Songs sind außerdem auf dem Album.”


